18.12.14

Warten auf das Christkind

Früher gab es am Heiligen Abend im damals noch ausschließlich öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm eine Sendung, die "Wir warten auf das Christkind" hieß. Das Schlimme daran ist, dass diejenigen Kinder, die man vor das Fernsehgerät setzte, das dadurch im wahrsten Wortsinn zu einer Idiotenlaterne wurde, wirklich auf das Christkind warteten. Diese Art von Bestrahlung wurde notwendig, wenn nicht ein Erwachsener zur Verfügung stand, um mit den lieben Kleinen einen weihnachtlichen Spaziergang durch die Emscherlandschaft zu machen, während zu Hause in der Wohnung das Christkind die Bescherung vornahm.

Wenn sie dann zurück nach Hause kamen, war der Weihnachtsbaum geschmückt, die Kerzen entzündet oder die elektrischen Kerzen eingeschaltet, und unter dem Weihnachtsbaum lagen die Geschenke. Diese, so sagte man den Kindern, hätte soeben das Christkind vorbeigebracht und bei dieser Gelegenheit auch den Baum geschmückt. An das Christkind musste geglaubt werden, und selbst Eltern, die sich für fortschrittlich hielten, diskutierten darüber, wann es denn an der Zeit sei, den Kleinen die grausame Wahrheit zu sagen: "Es gibt keinen Osterhasen, keinen Nikolaus und auch kein Christkind." Am liebsten wäre es anscheinend selbst den fortschrittlichsten Eltern gewesen, dass der Glaube an das Christkind niemals geendet hätte, so als ob den Glauben an das Christkind ein Tabu umgeben hätte.

Wie sah es denn nun aus, dieses Christkind? Was hatte es mit dem Herrn Jesus zu tun, dessen Geburt am Heiligen Abend gefeiert wird? Vor allem, dass es Geschenke brachte in der Nacht, als vor 2000 Jahren der Heiland zur Welt kam - also als der Klapperstorch ihn brachte, denn irgendwie muss das Jesuskind in seine Krippe in Bethlehems Stall gelangt sein. Durch den Klapperstorch? Steht das in der Bibel? Das soll man in den Städten an der Emscher geglaubt haben; denn der Klapperstorch brachte, wie das Emscherkind von seinen Emschereltern erfuhr, selbst noch vor weniger als 50 Jahren die Kinder dorthin. Die wenigen Störche, die es dort gab, müssen sehr ausgelastet gewesen sein. Wahrscheinlich wäre es heute noch so, wenn nicht irgendwer auf die Idee gekommen wäre, im Ruhrgebiet Universitäten zu bauen.

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