21.12.14

Bombenfunde an der Emscher

Wenn man direkt an der Emscher wohnte, konnte man aus seinem Fenster in Richtung Emscherufer schauen. Dort sah man Grundstücke, die industriell genutzt wurden. Immer wieder kam es vor, dass Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr dort auftauchten, die bereits nach kurzer Zeit von einer größeren Menschenmenge umgeben waren. Das war erstaunlich. Die Gegend war so abgelegen, dass sich nicht leicht jemand dorthin verirrte. Die Feuerwehr rückte zu solchen Einsätzen zudem meist nicht mit Blaulicht an. Es ging darum, Bomben zu entschärfen, die seit dem Zweiten Weltkrieg dort lagen und immer wieder einmal gefunden wurden.

Niemals wurden die wenigen umliegenden Häuser evakuiert.

Die Feuerwehr kam und fuhr nach einer gewissen Zeit wieder weg. Anwohner schauten ihr inzwischen bei der Arbeit zu.

Der Zweite Weltkrieg war seit zwei Jahrzehnten Vergangenheit. Doch in vielen Gegenden der Welt tobten damals noch schreckliche Kriege. In Westafrika gab es den Biafrakrieg, in Indien den Bengalenkrieg, und über den Vietnamkrieg wurde durch die ostdeutschen und westdeutschen Fernsehanstalten sehr unterschiedlich berichtet. Das konnte man erfahren, wenn man in der Nähe der Grenze zur DDR war und dort das Fernsehprogramm empfangen konnte.

Auch in der bundesdeutschen Presseberichterstattung mehrten sich kritische Berichte über den Vietnamkrieg. Diskutiert wurde, ob die Bundesrepublik sich an diesem Krieg beteiligen sollte. Einmal trat in der ZDF-Drehscheibe ein aus jüngeren Menschen bestehender Chor mit einem "Hoch auf die Menschen" auf, und es dauerte ein wenig zu begreifen, dass damit für den Vietnamkrieg geworben wurde. An der Emscher war man nicht dafür. Dort, wo immer noch Bomben gefunden wurden, am allerwenigsten.

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