Von der Sparkasse gab es Sammelbände zum Thema Weltwunder, die auch an der Emscher gelesen wurden. Da war die Astronautin Valentina Tereshkova abgebildet, was natürlich toll war, aber auch der erste Hund im Weltraum. Laika hieß das arme Vieh, das da so gottserbärmlich mit allerlei Apparatur versehen abgebildet war, dass es heute jeder Tierschützer nur aufs Schärfste verurteilen würde.
Doch die Neugier war damals stärker und die allgemein angekündigte erste Mondlandung wurde auch an der Emscher sehnsüchtig erwartet. Oft schon hatte man aus einem Fenster über der Emscher den Mann im Mond erblickt, der unseren Schlaf bewachte, egal, wo auf der Erde wir uns gerade befanden und wie es da roch oder sonst so war. Oder jedenfalls das, was möglicherweise der Mann im Mond hätte sein können. Dem kleinen Häwelmann hatte er ja bekanntlich übel mitgespielt. Er war wahrscheinlich nicht sehr geduldig, dieser Mann im Mond. Das bewies, dass er nichts Göttliches an sich haben konnte und nicht mit Gott zu verwechseln war, auch wenn man bei den Abbildungen in manchen Kinderbüchern vielleicht auf so eine Idee hätte kommen können.
So fiel die Enttäuschung darüber, dass er nirgends zu sehen war, moderat aus, als endlich an einem frühen Abend - sonst hätte man vielleicht schulfrei gehabt - der erste Astronaut den Mond betrat. Dabei flog er mehr über den Mond, als dass er darauf spazieren ging. Auf dem Mond war der Astronaut weniger schwer als auf der Erde. Was so sehnsüchtig erwartet worden war, vollzog sich schnell: Der Astronaut lief da kurz herum, sagte dem Fernsehpublikum jene bekannten Worte, die sich im Fernsehen ungefähr so anhörten wie damals jedes Telefongespräch, ob nun Ortsgespräch, das in beliebiger Länge für 20 Pfennige geführt werden konnte, oder sündhaft teures, damals nach Regionen gestaffeltes innerdeutsches Gespräch. An Auslandsgespräche dachte man damals noch nicht, das Ausland war noch fernliegend. Man selbst kam von der Emscher aus nicht oft ins Ausland, aber da war dann schon mal einer auf dem Mond, und es hörte sich an, also ob er mit der gesamten Weltbevölkerung telefonieren würde. Es ist bekannt, was er damals gesagt hat, aber angehört hat es sich wie: "Hier ist keiner, ehrlich. Hier ist überhaupt nichts."
Man konnte kurz zum Fenster rennen und nachsehen, ob man zu diesem Zeitpunkt vielleicht den Astronauten als Mann im Mond wahrnehmen konnte. Im Fernsehen sah man ihn auf jeden Fall besser, wie er so auf dem Mond herumschwebte. Und sein Anzug war wirklich cool.
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