27.12.14

Braucht man an der Emscher bessere Wahllokale?

Wer gibt schon gerne zu, aus Bequemlichkeit nicht gewählt zu haben, wo es doch weit anerkanntere Motive, zum Beispiel "Politikverdrossenheit", für einen ins Wasser gefallenen Urnengang gibt?

An der Emscher kam es früher vor, dass man als Wahlhelfer verpflichtet werden konnte, wenn man am Wahlsonntag schon frühmorgens im Wahllokal eintraf. Durch derartig traumatische Erfahrungen konnte natürlich bei Kindern schon früh der Grundstein für späteres Aufschieben gelegt werden. Da wäre zunächst das Aufschieben der Briefwahl zu nennen, weil man so etwas nicht tut, also zum Beispiel Porto des Steuerzahlers zu verschwenden, wenn man doch sonntags sowieso nichts vorhat. Weiterhin dann das Aufschieben des Wahlganges am Wahlsonntag. Nur nicht zu früh gehen, um nicht für den Rest des Sonntags als Wahlhelfer vereinnahmt zu werden. Nach einem Umzug stellte man vielleicht fest, dass man gar nicht so genau wusste, wo das Wahllokal war. Das musste man erst später heraussuchen und hatte so noch ein bisschen Aufschub bis zum Urnengang. Die Wahllokale schlossen auch erst um 18 Uhr. Und als man sich in letzter Minute auf den Weg machen wollte, da hatte es vielleicht gerade angefangen zu regnen und man hatte erst noch die Wäsche von der Leine zu nehmen oder einfach doch keine Lust mehr, noch so spät wählen zu gehen. Mit ein bisschen Glück kam dann vielleicht sogar noch Besuch. Da konnte man dann den Wahlausgang besprechen und dabei so tun, als ob man tatsächlich gewählt hätte. Auf die eine Stimme kam es ja auch gar nicht an. So ging man wenigstens gestärkt für die nächste Wahl in die nächste Woche. Vielleicht war die dann auch wichtiger. Also die nächste Wahl natürlich.

Was das mit Demokratie zu tun hat? Vermutlich wenig. Man muss nicht Gegner der Demokratie sein, um nicht zu wählen. Kann man natürlich trotzdem, wenn man "politikverdrossen" ist.

"Turne bis zur Urne" wirkt ja auch nicht auf jeden genug motivierend, um etwas für die Gesundheit zu tun. Damit ist natürlich eine andere Urne gemeint, nicht die Wahlurne. Das ist ganz klar. Obwohl natürlich der Gang zur Wahlurne auch - wie jeder Gang - schlank machen würde, vorausgesetzt, das Wahllokal ist weit genug von zu Hause entfernt, was natürlich häufig der Fall ist.

Das wollen nun aber Politiker ändern. Sie wollten sich, heißt es, nicht mit der geringen Wahlbeteiligung abfinden und dächten über Alternativen zu den bekannten Wahllokalen nach. Ein Problem ist dabei bestimmt, dass es nicht viel hilft, bei den Leuten zu Hause mit der Wahlkabine vorzufahren, wenn diese sich zwischenzeitlich zu einem spontanen Sonntagsausflug entschlossen haben. Oder arbeiten müssen und deshalb nicht zu Hause sind.

Es spricht aber auch etwas dafür, dass es mit ein wenig mehr Flexibilität im Bemühen um den Wähler klappen könnte. Zumindest bei Bundestagswahlen hat es auch schon mal hohe Wahlbeteiligungen gegeben. War das vor dem Internet-Zeitalter? Das müsste die Politik mal hinterfragen. Vor der Ära der "Politikverdrossenheit" war es jedenfalls.

Vielleicht wären heute mehr Menschen bereit, ihre Stimme über das Internet abzugeben, als man mit noch so mobilen Wahllokalen erreichen könnte. Wenn man etwas nachdenkt, fallen einem vielleicht Parallelen dazu aus dem täglichen Leben ein.

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