Anfang der Siebziger Jahre war eine Zeit, als es manchmal schon mittags Fernsehen gab. Fernsehen, bei dem es sich nicht um Bundestagsdebatten handelte. Dann würde häufig über Flugzeugentführungen berichtet. Die Palästinenserorganisation PLO entführte Flugzeuge der Lufthansa und hielt das deutsche Fernsehpublikum in Atem. Es war die Zeit heißer Kriege zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten. In dieser Zeit begann die Organisation der Erdölexportierenden Länder, ihre Öllieferungen zeitweise auszusetzen, generell einzuschränken und zu verteuern. Ölkrise nannte man das.
Als Reaktion darauf gab es einen Monat lang autofreie Sonntage: Man durfte dann sonntags sein Auto nicht mehr benutzen. Die Menschen an der Emscher hatten sich daran gewöhnt, am Wochenende mit dem eigenen KfZ schönere Gegenden aufzususchen. Was blieb ihnen nun übrig, als an diesen Sonntagen die eigene Umgebung zu Fuß zu erkunden? Das sonntägliche Fernsehen mit meist zwei, selten drei Sendern, die ein paar alte Spielfilme zeigten, konnten nicht für Abwechslung am Wochenende sorgen. Der öffentliche Personenverkehr war nicht annähernd so gut ausgebaut wie heute. Nein, es blieb einem nicht viel übrig als zu Fuß durch die an der Emscher gelegenen Stadtteile zu gehen und sich zu verdeutlichen, wo man wirklich wohnte: In einer Landschaft ohne Wohnqualität.
Alle waren froh, dass es bei wenigen autofreien Sonntage blieb. Und den meisten Menschen war klar, dass danach nichts mehr wie zuvor sein würde. Doch das war nicht nur negativ. Es hat sich seitdem landschaftlich unheimlich viel gebessert im Ruhrgebiet und auch an der Emscher. Vielleicht hat auch die Ölkrise mit ihren autofreien Sonntagen dazu beigetragen.
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