Stärker als der Krieg in Biafra bestimmte der Vietnamkrieg die bundesdeutsche Medienlandschaft bis zur Mitte der 70er Jahre, soweit man sie an der Emscher wahrnahm. Verbreitete Medien an der Emscher waren neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen noch zwei lokale Tageszeitungen und zwei Illustrierte. Zwar gehörte die Emscherregion zur britischen Besatzungszone, aber man musste auch nicht sehr weit fahren, um auf US-amerikanische Armeeangehörige zu treffen. Die meisten Emscherbewohner waren, zumindest auf dem Weg in den Urlaub, schon durch amerikanische Garnisonsstädte gekommen, deren Lebensgefühl durch Straßenkreuzer und Kasernen bestimmt wurde. In jener Zeit waren in den Sendungen des ZDF Chöre von blitzsauberen, gut gekleideten und glatt rasierten jungen Leuten zu bewundern, und man brauchte als Emscherkind schon einen Moment um zu verstehen, dass mit dem gesungenen "Hoch auf die Menschen, die es überall gibt" für den Vietnamkrieg geworben werden sollte. Wenn auch die beiden einzigen (und öffentlich-rechtlichen) Fernsehsender diesen amerikanischen Krieg in den höchsten Tönen lobten, häuften sich doch in den Illustrierten die Bilder von schrecklichen gegen die vietnamesische Bevölkerung verübten Greueltaten.
Wenn man in bundesdeutschen Orten an der als Zonengrenze bezeichneten Grenze zur DDR Urlaub machte, konnte man dort auch die beiden Fernsehsender der DDR empfangen, die den Vietnamkrieg ganz anders darstellten. In den letzten Tagen des Vietnamkrieges wurde dort nur noch gejubelt: Eine Befreiung folgte der nächsten und wurde im DDR-Fernsehen immer mit glücklichen Gesichtern bei den Vietnamesen begrüßt. Welche Darstellung die richtige war, was also stimmte, war schwer zu sagen. Man konnte nicht, wie heute, mit den Leuten chatten oder über das Handy telefonieren und sie nach ihrer Meinung fragen. So etwas gab es damals ja nicht. Man konnte nur aus seiner vorgefassten Meinung heraus die Situation im fernen Vietnam beurteilen, und auf diese Meinungsbildung hatten damals die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten durch ihr Informationsmonopol, das sich heute viele heimlich zurückwünschen, entscheidenden Einfluss.
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